bitcoin und steuer

Bitwala Academy

Bitcoin richtig versteuern: ein Ratgeber

In diesem Artikel wollen wir über die Steuersituation um Bitcoin informieren.

Im Jahr 2017 hat Bitcoin durch die stete Berichterstattung ein großes Interesse in der Gesellschaft und deren Regierungen hervorgerufen. Manch einer konnte hohe Gewinne erzielen, andere mussten Verluste verzeichnen. Der enorme Hype führte dazu, dass Diskussionen über Bitcoin und Steuern in den Vordergrund rückten.

In diesem Artikel werden verschiedene Ansätze zur Besteuerung von Kryptowährung und Verwaltung deines Krypto-Fonds erläutert. Besteuerung von Kryptowährungen unterscheidet sich von Land zu Land, daher konzentrieren wir uns vor allem auf Deutschland und die USA und deren, sich in der Entwicklung befindende, Besteuerungssysteme. Folgende Punkte werden wir besprechen:

  • Gegensätzliche Herangehensweisen zur Besteuerung von Bitcoin
  • Besteuerung von Kryptowährungen
  • Was sagt die EU?
  • Steuererklärung: gut oder schlecht
  • Gibt es vereinfachte Lösungen?

Hintergrund

Einige in der Krypto-Community halten Besteuerung von Bitcoin für widersprüchlich, da dies gegen den anonymen und dezentralen Ansatz sei. Andere wiederum finden es schwer nachvollziehbar, wie man Bitcoin besteuern könnte. Warum sollte man in einem solch undefinierten und unregulierten Umfeld auf anonyme Einkünfte und Transaktionen Steuern zahlen?

In vielen Ländern, wie den USA und einigen EU-Staaten, unterliegen Kryptowährungen / Kryptowertanlagen einer Besteuerung. Wenn sie verkauft oder getauscht werden, tritt ein Kapitalgewinn oder -verlust ein. Gewinne und Verluste in Kryptowährungen können also ebenfalls steuerlich geltend gemacht werden.

Genau wie der Wert traditioneller Fiat-Währungen vom Markt bestimmt wird, so setzt sich auch der Bitcoin-Preis über die Nachfrage zusammen. Da Bitcoin weiter in den Finanzmarkt eindringt und hohe Volatilität besitzt, kann dies zu einer komplizierten Steuererklärung führen.

Unterschiede in der Besteuerung von Bitcoin

Als der Bitcoin-Preis auf sein Allzeithoch stieg und die User Gewinne erzielten, wurde den Regierungen klar, dass dies eine Wertanlage ist, die an Popularität und Nutzung noch zunehmen werde. Infolgedessen begannen diverse Regierungen sich intensiver mit der Sache zu beschäftigen und Strategien auszuarbeiten. Einige führten “Krypto-Razzien” durch, die sich auf umfangreiche Krypto-Besteuerung fokussierten oder sogar zum Verbot von Krypto-Handel führten. Andere Länder einigten sich darauf, einen soliden Rahmen für eine Bitcoin-Steuer zu schaffen.

Die Besteuerung von Kryptowährungen in den einzelnen Ländern richtet sich primär nach deren Definition beziehungsweise. wofür sie verwendet werden. In Ländern wie Japan oder der Schweiz wird ein kryptofreundlicher Ansatz verfolgt. Sie versuchen Regulierungen einzuführen und dabei die Vorteile der innovativen, blockchainbasierten Kryptowährungen zu nutzen.

Im Februar 2018 veröffentlichten die Schweizer Behörden Richtlinien zu “Initial Coin Offerings” (ICOs), welche zur Finanzierung von Projekten genutzt werden. Aus diesen geht hervor, dass ICOs in den meisten Fällen als Wertpapiere zu behandeln sind. Diese Richtlinien ermöglichen legitimen und innovativen Projekten sich in diesem neuen Markt zurechtzufinden. Die Schaffung eines solchen Umfeldes ermöglicht es unternehmerische Innovationen zuzulassen.

Die Europäische Union liegt insgesamt mit ihrem Durchgreifen bezüglich Kryptosteuern zurück. Im Jahr 2015 hat lediglich der Gerichtshof der Europäischen Union über das Verhältnis zwischen Mehrwertsteuer und Bitcoin entschieden. Viele EU-Staaten sehen keine Notwendigkeit neue Vorschriften zu erlassen und warten lieber darauf, dass die EU weiter Leitlinien ausgibt. Folglich verwenden die Finanzbehörden der Staaten, ihre nationalen Steuersysteme im Umgang mit Kryptowährungen, dies führt jedoch oft zu größerer Rechtsunsicherheit.

In den USA wurde dagegen bereits ein regulatorischer Rahmen zu Besteuerung von Kryptowährungen geschaffen. Nach der US Internal Revenue Service (IRS) sollen Kryptowährung als Vermögenswert behandelt werden. Somit unterliegen Kryptowährungen in den USA der gleichen Besteuerung wie andere Vermögenswerte (Aktien, Anleihen).

Der IRS klassifiziert Bitcoin als "konvertierbare" Kryptowährung, denn er kann sowohl, ausschließlich online, gegen andere Kryptowährungen oder gegen Fiat-Währungen getauscht werden. In den USA gilt der Verkauf, der Tausch und die Verwendung von Bitcoin und anderen „konvertierbaren“ Kryptowährungen zur Bezahlung von Waren und Dienstleistungen als steuerpflichtiger Vorgang.

Einige andere Nationen versuchen auch strengere Richtlinien gegen die Verwendung von Kryptowährungen zu erlassen. Zum Beispiel hat China den Krypto-Handel verboten, und Indien unternimmt Schritte, um Krypto-Zahlungen illegal zu machen.

Besteuerung von Kryptowährungen

Der buchhalterische Aufwand zur Besteuerung von Kryptowährungen kann enorm sein, wenn man sich nicht rechtzeitig darum kümmert. Art und Datum der Transaktion, Fiat-Wechselkurse zum Zeitpunkt der Transaktion, Benutzung mehrerer Wallets oder Exchange-Plattformen müssen berücksichtigt und angegeben werden.

Eine Steuerpflicht kann greifen beim Handel, Mining, Zahlen, Umwandeln von Kryptowährungen, bei sogenannten Air Drops, ICOs oder beim Erhalt von Kryptos als Entlohnung / Bezahlung. Es bestehen jedoch weiterhin große Unterschiede in der Behandlung dieser Transaktionen und der zu verwendende Steuer innerhalb der verschiedenen Rechtssysteme.

Es kann zukünftig davon ausgegangen werden, dass ähnlich wie in den USA, die Besteuerung auf Krypto-Transaktionen in der jeweiligen Landeswährung zu erfolgen hat. Die Wechselkurse, am jeweiligen Tag der Transaktion, müssen dabei berücksichtigt werden. Diese Werte kann man zum Beispiel von coinmarketcap.com oder charts.bitcoin.com ablesen.

Wie ist der Status in der EU?

Valdis Dombrovskis, der EU-Finanzmarktkommisar stand Herbst 2018, äußerte sich positiv zu Kryptowährungen. Er sagte, die Blockchain-Technologie sei vielversprechend für die Finanzmarktindustrie.

"Transaktionen, die den Kauf und Verkauf von Bitcoin betreffen, sind von der Mehrwertsteuer befreit, da Bitcoin als Zahlungsmittel anzusehen ist."

Die EU scheint jedoch die unaufhaltsame Integration von Kryptowährungen in den Finanzmarkt anzuerkennen, sollte jedoch Wege finden, ihre Bedenken hinsichtlich Verbraucherschutz, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu mindern.

Die EU definiert „virtuelle Währungen“ (einschließlich Kryptowährung) als „digitale Darstellung eines Wertes, der weder von einer Zentralbank oder einer öffentlichen Behörde ausgegeben wird, noch mit einer Fiat-Währung verbunden ist und von natürlichen oder juristischen Personen als Zahlungsmittel akzeptiert und elektronisch übertragen, gespeichert oder gehandelt wird“.

Eine zwischenstaatliche Financial Action Task Force (FATF), ansässig in Frankreich, weist auch auf weitere Anwendungsfälle für Kryptowährungen hin. Diese betreffen ihre Rolle als Wertanlage für Sparzwecke und Anlageform wie Derivate, Rohstoffe und Wertpapiere.

Im Jahr 2015 stellte der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) fest, dass Bitcoin zwar nicht als gesetzliches Zahlungsmittel gilt, aber als Tauschmittel angesehen und als Zahlungsmittel verwendet werden kann. Darüber hinaus schreibt die EU-Mehrwertsteuerrichtlinie vor, dass eine Lieferung von Waren und Dienstleistungen durch jemanden in einem EU-Mitgliedstaat mehrwertsteuerrelevant ist.

Jedoch ist der Handel mit Bitcoin, aufgrund der Verwendung als Zahlungsmittel, davon ausgeschlossen. Eine solche Erbringung von Dienstleistungen für Finanztransaktionen fällt nicht in den Geltungsbereich der Mehrwertsteuerrichtlinie.

In Deutschland hat das Bundesministerium für Finanzen bereits einige Fragen zu Mehrwertsteuer und Bitcoin geklärt. Das Ministerium bestätigte das Urteil des EuGH, dass der Tausch von Bitcoin, und ähnliche Zahlungsmittel mit Token-Charakter, zu Fiat von der Mehrwertsteuer befreit ist. Sie erklärten auch, dass der Erhalt von Bitcoin als Vergütung nicht Mehrwertsteuerrelevant sein, da in diesem Fall Bitcoin lediglich als eine Alternative zu Geld anzusehen ist.

Das Ministerium machte auch deutlich, dass Bitcoin-Mining von der Mehrwertsteuer befreit sei, da es sich nicht um ein herkömmliches Dienstleistungsangebot handle. Herkömmliche Dienstleistungsangebote müssen einen identifizierbaren Zahlungsempfänger aufweisen, was beim Mining nicht gegeben ist. Die Steuerbefreiung für das Mining ergibt sich daraus, dass die Höhe der Transaktionsgebühren für eine Bitcoin-Zahlung freiwillig festgelegt wird und keinem bestimmten Miner zugeordnet werden kann.

Ungeachtet davon, müssen Bitcoin-Miner Einkommensteuer und Gewerbesteuer für ihre Gewinne aus dem Mining zahlen. Eine Ausnahme tritt nur dann ein, wenn sie ihre Kryptowährungen länger als ein Jahr halten. In diesem Fall ist jeglicher Gewinn oder Verlust nicht mehr steuerpflichtig.

Darüber hinaus kann der Handel (Kauf und Verkauf von Bitcoin) und auch die Verwendung von Bitcoin als Zahlungsmittel als "Verkauf" angesehen werden. Diese "Verkäufe" gelten dann als "spekulative Transaktionen" und sind für die deutschen Einkommensteuer relevant. Für Einzelpersonen bedeutet das, dass das Halten dieser Vermögenswerte (Kryptowährungen) für mehr als ein Jahr zu empfehlen ist, da dies zu einer Befreiung von der Einkommensteuer führt.

Steuerliche Berichterstattung: gut oder schlecht?

Einige Institutionen und Mitgliedstaaten der EU agieren besorgt und betrachten Kryptowährungen als eine Möglichkeit, illegale Aktivitäten durchzuführen. Parallel dazu, haben sie aber auch noch keine vollständigen rechtlichen Rahmenbedingungen für Krypto entwickelt.

Anfang 2018 einigten sich die Mitglieder des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rats darauf, dass Wallet-Anbieter und Exchange-Plattformen die Identität ihrer Kunden zu überprüfen haben. Die Serviceanbieter sollen ihrer Sorgfaltspflicht zur Identitätsprüfung nachkommen, um illegale Aktivitäten im Zusammenhang mit Kryptowährungen zu verhindern. Jedoch warten die User weiterhin auf eine exakte Gesetzgebung der EU.

Eine Studie des Center for Sanctions and Illicit Finance (CSIF), Teil der Defense of Democracies Foundation (FDD), ergab, dass zwischen 2013 und 2016 lediglich 0,61 % der Transaktionen bei Exchange-Diensten im Zusammenhang mit illegalen Aktivitäten standen.

Während der Preis von Bitcoin im Jahr 2017 auf ein Allzeithoch von fast 20.000 US-Dollar stieg, führte dies jedoch nicht zu einem Anstieg krimineller Aktivitäten mit Kryptobezug bei den Steuerbehörden.

Desweiteren wurde in den USA am 13. April 2018 festgestellt, dass nur 0,04 % von 250.000 Personen, die ihre Steuerberichte über eine Steuervorbereitung-Software eingereicht hatten, Krypto-Vermögenswerte gemeldet hatten. Ebenso hatten im Jahr 2016 nur 800 Personen ihre Krypto-Vermögenswerte der IRS (US Internal Revenue Service) gemeldet.

Eine geringe Berichterstattung kann auf die anhaltende Unklarheit über den rechtlichen Status von Bitcoin, einen potenziellen Widerstand gegen die Besteuerung und Schwierigkeiten bei der Abrechnung von Kryptowährungs-Transaktionen zurückzuführen sein. Die Schwierigkeiten bei der Abrechnung gehen wiederum auf die fehlenden, einfachen Richtlinien, die vielen unterschiedlichen Wechselkurse beim Kryptowährungs-Handel sowie die schwere Erfassung von potenziellen Gewinnen oder Verlusten bei Transaktionen zurück.

Mit einer einfachen offiziellen Richtlinie wäre der Prozess zur aktiven Erfassung von Transaktionen und der Ableitung von Gewinnen und Verlusten einfacher zu bewerkstelligen.

Für einige Länder, wie den USA, wird sich das Abrufen von Benutzerdaten von den Exchange-Plattformen durchsetzen, um sie zur Zahlung von Steuern für die vergangenen Jahre aufzufordern.

Zwischen 2013 und 2015 führten US-amerikanische Agenten der IRS eine Untersuchung gegen die Exchange-Plattform Coinbase Inc. durch, um die Identität der User zu erhalten und sie zur Steuerberichterstattung aufzufordern. Nach einem längeren Rechtsstreit gegen den IRS, musste Coinbase schließlich Userdaten von etwa 13.000 Usern, die mehr als 20.000 US-Dollar aufwiesen, herausgeben.

Es wird angenommen, dass der IRS seine Untersuchungen fortführt und weitere Tausende User aufdeckt, welche ihre Steuerberichterstattung zu Kryptowährungen nicht gemeldet haben. Denn das Vorgehen der USA ist auf die Bekämpfung von Steuerhinterziehung, Online-Drogenhandel und andere illegale Aktivitäten ausgerichtet.

Darum ist es sehr wichtig, stets einen Überblick über seine Gewinne zu haben, da die Untersuchungen der Behörden in Zukunft sicher konkreter werden. Der IRS kann nicht nur verlangen, dass der Steuerzahler seine Bilanzierung für das letzte Steuerjahr vorlegt, sondern auch die der letzten drei Jahre. Für einige User kann das eine Menge buchhalterische Arbeit abverlangen.

Wie kann ich mir die Arbeit leicht machen?

Wir können bereits erkennen, dass sich eine vereinfachte Steuerberichterstattung für Kryptowährungen entwickelt. Dies beinhaltet viele Online-Lösungen, die bei der Abrechnung und Verwaltung von Gewinnen und Verlusten helfen können. Zum Beispiel LibraTax in den USA und Koyno in der EU.

Wer seine Kryptowährungen länger als ein Jahr hält, vermeidet in der Regel überhöhte Steuerabgaben. Geduld kann sich in dieser Branche also lohnen. Den Tausch einer Kryptowährung in eine andere, nach Kapitalertragssteuern, kann sowohl als Verkauf und auch als Kauf von den Steuerbehörden angesehen werden. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass darauf Steuern erhoben werden, als wenn die Gewinne in der jeweiligen Fiat-Währung gehalten werden.

Der wichtigste Schritt zur Einhaltung der Steuervorschriften besteht darin, dass du alle deine Kryptotransaktionen aufzeichnest.

Umso mehr Wallet-Dienste du verwendest, desto schwieriger kann eine Dokumentation sein. Einige Anbieter erleichtern das Abrufen der Transaktionshistorie, durch das Exportieren einer CSV-Datei. Sobald du deine Transaktionshistorie heruntergeladen hast, kann eine Bilanzierung, zum Beispiel mit Excel, beginnen.

Außerdem gibt es Online-Software-Lösungen, die von Plattformen wie bitcoin.tax und cointracking.info bereitgestellt werden. Solche Plattformen bieten sogar die Möglichkeit die Handelsgeschichte, Ausgaben, Einnahmen und Miningerträge einzupflegen. Auf Wunsch werden sogar die Daten von verschiedenen Börsen direkt importiert und die Gewinne und Verluste berechnet. Wenn du jedoch Bedenken hast und nicht genau weißt, ob du zur Steuerzahlung verpflichtet bist, ist die Beauftragung eines Steuerberaters eine gute Idee.

Da das Regelwerk zur Besteuerung von Kryptowährung zunehmen wird, werden solche Software-Lösungen und geschulte Steuerberater an Wichtigkeit zunehmen. Nicht zu unterschätzen ist dabei auch die steigende Anzahl an Benutzern von Kryptowährungen, die die Behörden dann zu bearbeiten haben.

Dieser Leitfaden enthält zwar Informationen zur Behandlung von Bitcoin und zur Besteuerung, ist jedoch nicht als Steuer- oder Rechtsberatung gedacht. Wir bieten keine Steuerberatung an und empfehlen dringend, einen Steuerexperten oder einen Steuerberater zu konsultieren, um Handlungsempfehlungen zu ihrer Krypto-Steuerbescheinigung zu erhalten.